Satiren

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Service?
Kasperletheater 1
Kasperletheater 2
Kleiderkauf
Service?

Es war soweit. Eines schönen Morgens erschienen zwei Männer in grün vor unserer Tür und bemängelten, daß unser Auto nicht korrekt geparkt sei. Da ihnen diese Tatsache aber noch nicht reichte, gingen sie um den Wagen herum und suchten nach weiteren Mängeln. Nach langer Suche wurden sie endlich fündig. Die beiden äußeren Rückspiegel waren am Rand blind. Nicht, daß es den Verkehr gefährdet hätte, oder daß die Sicht beeinträchtigt war. Aber es reichte den Gesetzeshütern, um uns ein saftiges Strafmandat auszustellen. Zudem machten sie es uns zur Auflage, die Spiegel reparieren zu lassen. Nun gut.

Als folgsame Steuerzahler besuchten wir gleich am nächsten Tag eine Fachhandlung für Autozubehör. Dort erfuhren wir, daß es einen linken Spiegel (keine politische Andeutung) gäbe. Der Rechte aber sei nicht im Sortiment (!) und müsse erst bestellt werden. Also leisteten wir eine Anzahlung von 20 Mark und verabschiedeten uns. Den linken Spiegel nahmen wir natürlich sofort mit.

Nur zwei Wochen später fanden wir eine Nachricht auf unserem Anrufbeantworter. Der Spiegel sei eingetroffen und läge zum Abholen bereit. Also fuhren wir los, um die Sache zu Ende zu bringen.

Im Geschäft angekommen, wurden wir sofort nach unserem Quittungszettel gefragt. Wir waren etwas verwirrt. Hatten wir einen solchen bekommen? Immerhin lag die Bestellung schon zwei Wochen zurück, und so genau erinnerten wir uns nicht mehr. Der Verkäufer jedoch erklärte uns ganz entschieden, daß wir einen solchen Zettel hätten. Dennoch erklärte er sich bereit, auch ohne diesen ins Lager zu gehen um nachzuschauen. Wenig später stand er kopfschüttelnd vor uns. Leider konnte er besagten Spiegel nicht finden, und ohne Zettel könnte er gar nichts machen. Zudem sei die Quittung wichtig, damit uns unsere Anzahlung angerechnet werden könne. Ohne Zettel müßten wir den vollen Kaufpreis zahlen. Nun wurden wir etwas ungehalten. Nicht nur, daß wir uns an keinen wie auch immer gearteten Zettel erinnerten, nein, jetzt sollte es auch noch richtig teuer werden. Die herbeigerufene Verkäuferin zeigte sich noch eine Spur unfreundlicher, wurde sie doch aus ihrer Lethargie gerissen. Dennoch bemühte sie sich, den Durchschlag zu suchen. Dummerweise konnte auch er nicht gefunden werden. Aber selbst wenn er aufgetaucht wäre, der Durchschlag hätte uns nichts genutzt, die Anzahlung wäre uns nicht angerechnet worden. Zudem mußten wir uns unfreundliche Sprüche anhören wie „Es ist nicht unsere Schuld, wenn sie die Quittung verlieren", oder „Wir haben es ihnen extra gesagt".

Plötzlich entdeckte meine Freundin den Verkäufer, der seinerzeit die Bestellung aufgenommen hatte. Auch er wurde sofort konsultiert. Und siehe da, das Unglaubliche geschah. Der Spiegel tauchte auf. Aber nicht nur er, nein, auch der Durchschlag (!) und die Quittung (!!). Sie war uns nie ausgehändigt worden.

Nun rechnete ich mit einer kleinlauten Entschuldigung, wenigstens mit einem „Unsere Schuld". Aber weit gefehlt. „Ah, jetzt hat's ja doch noch geklappt", war das Einzige, was wir hörten.

Die Moral von der Geschicht? Vergessen sie ihre Quittung nicht.

Aber was lehrt uns das Ganze? In Deutschland Service zu wollen ist zu viel verlangt. Anders als in anderen Ländern glauben die Verkäufer hierzulande noch immer, wir Kunden wären für sie da. Und sobald wir etwas wünschen, das minimal über die normalen Leistungen hinausgeht, werden wir lästig. Und das läßt man uns spüren. Wie kommt das? Wird ihnen zu wenig gezahlt oder zu viel abgezogen? Hassen sie ihren Beruf? Ich weiß es nicht. Es gibt Studien darüber, Reportagen und Interviews. Selbst das Privatfernsehen hat sich diesem Thema schon angenommen. Und was ändert es? Nichts. Absolut nichts! Den großen Nullinger. Allerdings können die Verkäufer ganz beruhigt sein. Schließlich gibt es keine Alternative. Jedenfalls im Durchschnittsladen, etwa dem Supermarkt. Aber Achtung. Amerikanische Konzerne bringen Personal mit, welches nach amerikanischen Vorbild geschult ist. Und der Unterschied ist gravierend. Wer es nicht glaubt kann sich gerne davon überzeugen, etwa im Disneystore Frankfurt. Sollte der Trend anhalten, wird es auf kurz oder lang eng für unfreundliche Verkäufer(innen). Denn nicht nur die Amerikaner verstehen etwas von Service. Auch in der EU dürfte es einige Länder geben, die den Deutschen etwas vormachen. Jedenfalls in dieser Hinsicht (und bestimmt nicht nur da). Also liebe Marktleiter, Verkäufer und Verantwortliche. Seit Ihr gerüstet für die EU? Der Kunde ist es.

In diesem Sinne

Ihr G.A.


Kaperletheater

Und wieder einmal ist es soweit, das Kasperletheater öffnet seine Toren. Wir alle sind gespannt. Was wird wohl dieses mal gegeben?

Dabei dürfte die Antwort auf diese Frage klar sein. Zur Zeit gibt es nämlich nur ein Thema, um welches sich der Kasper und das Krokodil streiten: Steuerreform.

Der geneigte Zuschauer wird im laufe des Jahres erleben, wie Kasperle das Krokodil schlägt und dieses in gewohnter Weise zurück schnappt. Und warum das alles? Nur um die Gunst der Wähler zu bekommen. Dazu werden Taschenspielertricks benutzt, Blockadepolitik betrieben und mit stillem Vergnügen Kandidaten versteckt. Schauen wir uns die SPD an. Was tut sie? Einigkeit demonstrieren, wo Zweitracht ist. Wer wird denn nun der Gegenkandidat? Scharping? Oder Oskar? Oder gar der Dritte im Bunde? Wir dürfen gespannt sein. Und sollen es wohl auch. Fraglich ist nur, was die Partei mit dieser Taktik erreichen will? Spannung aufbauen, wo zur Zeit Langeweile herrscht? Die Gegner im Unklaren lassen und sie damit um den Schlaf bringen? In erster Linie dürfte sie damit die eigene Parteispitze um die Nachtruhe bringen. Aber uns soll es recht sein, besonders ausgeschlafen waren die Jungs ja noch nie.

Wer jetzt denkt: huch, ein Anti-SPD'ler, der irrt. Ich hege schon gewisse Sympathien für diese Knaben. Sie erinnern mich ein wenig an Donald Duck. Der kämpft ja auch immer hart um den Erfolg und geht am Ende leer aus. Und wer mag den Enterich nicht?

Aber kommen wir zu der zweiten Hauptrolle im Kasperletheater, der CDU. Unbesiegt sitzt da ein dicker Kanzler inmitten dünner Gefolgsleute. Nun ist es ja amtlich, er wird wieder kandidieren. Was soll er auch sonst anderes tun? Hat er es doch versäumt, einen würdigen Nachfolger heranzuzüchten. Schade eigentlich, Herr Schäuble. Ihr Name hätte sich gut gemacht. Und wer sonst? So weit das Auge blickt, kein anderer in Sicht. Nun Herr Kanzler, vielleicht sollten Sie sich am Zauberlehrling etwas abschauen. Wie heißt es doch so schön: Die Geister die ich rief...

Wie dem auch sei, er hat den Kampf erneut aufgenommen. Und als alter Recke weiß er natürlich, was zu tun ist. Er muß das Volk glücklich machen. Und womit macht man ein Volk glücklich? Durch Steuersenkung. Dummerweise hat er in der Vergangenheit ein paar Versprechen zu viel uneingelöst gelassen. Und so konkrete Dinge wie eine "Senkung" verspricht man am besten sowieso nicht (Steht schon in den Lehrbüchern für Politiker). Also gibt er dem Kind einen anderen Namen und nennt es Steuerreform. Auch nicht schlecht. Der potentielle Wähler freut sich. Endlich wird da was reformiert, was mich schon lange stört. Seltsamerweise kommt das Wort "Senkung" in "Steuerreform" gar nicht vor. Bei genauerem Hinsehen muß man dann auch wahrhaft erkennen, daß da gar nichts gesenkt wird. Aber wozu auch, der Kanzler hat uns eine Reform versprochen. Und die bekommen wir, ob wir wollen oder nicht. Wer kann ihm da noch unfaire Aktionen vorwerfen?

Aber noch ist der Kampf zwischen Kasperle und Krokodil nicht entschieden, noch befinden sich beide in der Aufwärmphase. Bisher begnügen sie sich damit, sich gegenseitig zu beschimpfen. "Du böser machst aber Blockadepolitik. Das sag ich meiner Mami". "Und Du? Du treibst die Nation in den Ruin, Du Böser Böser Du". So etwa klingt es, wenn man Nachrichten hört. Und da sagt man immer, die Hörspiele seien am Aussterben.



In diesem Sinne

Ihr

G.A.


Kasperletheater, zweiter Akt

Da war es wieder. Wer hätte es auch anders erwartet? Manchmal könnte man meinen, die zuständigen Leute würden nur auf der Lauer liegen, um im geeigneten Moment zuzuschlagen. Wovon ich rede? Vom Politzirkus natürlich. Waigel hatte die zwar neue, aber nicht unbedingt sensationelle Idee, die Goldreserven neu zu bewerten, und sofort rief die SPD nach Neuwahlen. Und das obwohl sie noch keinen Kanzlerkandidat haben. Jedenfalls machen sie uns das Woche für Woche klar. Wen also sollten wir wählen, wenn es tatsächlich zu vorgezogenen Wahlen käme? Nun, wahrscheinlich würde Lafontain schnell seinen alten Zylinder vom Dachboden holen und einen Kandidaten daraus hervorzaubern, ganz im Sinne des seeligen Houdini. Und wen würde es wundern, wenn er es selbst wäre, der da zum Vorschein käme? Aber eigentlich kann die SPD ganz beruhigt nach Neuwahlen rufen, weiß sie tief in ihrem Herzen doch, daß es eh nicht passieren wird. Aber sie haben wenigstens etwas getan, um in der Öffentlichkeit kurzfristiges Aufsehen zu erregen. Und das zählt. Aber gerade im Aufsehenerregen ist die SPD Meister ihrer Klasse. Wie war das vor wenigen Wochen? Da kam aus den Reihen der Parteigenossen der sensationelle Vorschlag, alle Reichen des Landes mit einer Sondersteuer zu belegen (oder soltte ich besser bestrafen sagen?). Eine wirklich glänzende Idee. Schließlich ist die Wählerschar bei den mittleren und unteren Schichten wesentlich größer als bei den Reichen. In dieser Hinsicht also eine Idee mit Format. Aber auch nur in dieser Hinsicht. Schließlich würde die Umsetzung dieser Idee nicht nur zu einem tollen Wahlergebnis führen, sondern auch zu einer Auswanderungswelle. Sämtliche Millionäre des Landes würden sofort nach Monte Carlo, Lichtenstein oder in ein anderweitiges Steuerparadies flüchten. Und ihr schönes Geld würde sie begleiten. Und nicht nur dieses. Wahrscheinlich würden auch weitere Produktionsstätten ins Ausland verlegt, nur um es dem Fiskus zu zeigen. Das Resultat kann sich wohl jeder an seinen fünf Fingern abzählen.

Aber wir wollen nicht so hart mit der SPD zu Gerichte gehen. Schließlich wollen die führenden Köpfe doch nur, was jeder gerne möchte. Bundeskanzler werden. Regieren. Am Ruder sitzen. Nun gut, es sei ihnen gegönnt. Schließlich darf Kohl dieses Gefühl der Macht schon viele Jahre auskosten. Zu viele? Vielleicht. Aber immerhin ist er Manns genug, die Verantwortung für seine Politik zu tragen und sich 98 abwählen zu lassen. Oder auch nicht. Jedenfalls standen die Chancen der SPD auf einen Regierungswechsel kaum besser. Kohl hat Waigel, die SPD hat Hoffnung. Theo könnte nämlich in der Tat zu Kohls politischem Grabnagel werden. Und das, obwohl es unser Herr Finanzminister doch nur gut meint. Mit sich, der Regierung, dem Volk und dem Euro. Er versucht, es jedem recht zu machen. Kohl und Maastricht, aber auch den Wählern, auf die er doch so angewiesen ist. Was soll er also tun? Er weiß es nicht. Und als ob dies alles noch nicht genug wäre, erreichen ihn fast täglich neue Horrormeldungen über ungestopfte Lücken im Haushalt. Alles was er tun kann ist von Steuererhöhung im nächsten Jahr zu reden und darauf zu hoffen, daß eine kleine Fee erscheint und ihm drei Wünsche erfüllt. Aber Feen sind rar und das Allheilmittel Steuererhöhung so ausgelutscht wie ein Kaugummi nach vier Stunden Dauerkauen. Fast könnte man Mitleid haben. Aber eben nur fast. Denn in erster Linie haben wir Mitleid mit uns. Denn wir sind es, die unter seinen Verrenkungen, Kunstgriffen und Sparpaketen zu leiden haben. Die Steuerlast erreicht bald 50% im Schatten, und wenn ich mir mein sauer verdientes Geld anschaue, werde ich noch saurer. Also Theo, zähle nicht auf unser Mitleid. Das hat Jeanne d'Arc nicht geholfen, und Dir wird es erst recht nicht helfen.

Ganz geschickt geht die FDP die Geschichte an. Weiß sie doch, daß Kohl ohne sie nicht regieren kann. Und zur Zeit kann er es auch nicht mit ihr. Die FDP macht ganz klar, daß eine Steueranhebung das Aus der Koalition wäre. Und damit das Aus der Regierung. Was also soll der Kanzler tun? Ihm bleiben kaum Optionen, will er an der Macht bleiben. Und die FDP ihrerseits kann nur gewinnen. Durch ihre Wählerfreundlichkeit ist die Fünf-Prozent-Hürde so gut wie genommen. Und wenn es die CDU nicht schafft, nun, so wird man sich evtl. mit der SPD zusammentun. Wie sagte schon der von mir hochgeschätzte Ex-Außenminister Genscher: Man kann ohne SPD regieren und auch ohne CDU. Aber niemals ohne die FDP. Dieses Wahrwort dürfte zur Zeit so aktuell sein wie nie zuvor. Das einzige, was der FDP einen Strich durch die Rechnung machen könnte, wäre eine Große Koalition. Und das ist nicht hundert Prozent abwegig. In letzter Instanz wird die SPD (fast) alles tun, um an die Regierung zu kommen. Und Kohl wird seinerseits (ebenfalls fast) alles tun, um Kanzler zu bleiben.

Aber noch ist es etwas zu früh, um solchen Horrorvisionen anheimzufallen. Noch steht uns ein heißer Sommer 97 und ein noch heißerer Sommer 98 ins Haus. Wir Wähler können uns gemütlich zurücklehnen und auf den nächsten Akt im Kasperltheater warten. Und darauf hoffen, daß durch das ganze Gerangel doch noch ein kleines Schocki für uns abfällt.

In diesem Sinne

Ihr

G.A.


Kleiderkauf

Es war ein heißer Tag. Nein, es war der heißeste Tag des Jahres. Das Thermometer zeigte 35 Grad, die Sonne lachte von einem blauen, wolkenlosen Himmel herunter und in mir lechzte alles nach einem kühlen Drink. Und meine Freundin und ich trugen lange Hosen und lange Hemden. 'Warum nur?', werden sie sich fragen. Nun, der heiße Tag fand nur in Frankfurt statt, in unserer Heimatstadt Würzburg war es kühl, schmuddelig und regnerisch. Aber was beklage ich mich, schließlich wollten wir diesen Ausflug in die Finanzmetropole Deutschlands doch unternehmen. Und dafür wurden wir schon bei der Hinfahrt bestraft. Unterwegs zeichneten sich nämlich schnell zwei Dinge ab. Erstens verwandelte sich das Wageninnere sehr schnell in einen Brutkasten, und zum Zweiten wurde alles Feste an uns langsam flüssig. Der geneigte Leser mag sich die Erleichterung vorstellen, als wir am Frankfurter Hauptbahnhof angelangt endlich unseren Wagen verlassen konnte. Sofort stand unser Entschluß fest. Keinesfalls würden wir in unseren warmen Klamotten bis zur Heimfahrt (oder unserem Hitzetod, je nachdem was zuerst kam) auszuharren. Da wir aber andererseits keine Unsummen für adäquate Kleidung ausgeben wollten, lenkten wir unsere hastigen Schritte in Richtung eines bekannten Modehauses mit zwei Buchstaben. Dieser praktische Laden führt allerhand schöne Kleidung zu durchaus moderaten Preisen. Zudem hat er einen unschätzbaren Vorteil: er ist klimatisiert.

Zu unserer Freude fanden wir auch sehr schnell das Richtige. Mein Honey entschied sich für ein buntes T-Shirt mit dem Pepsi-Schriftzug, ich mich für eine weniger bunte Turnhose der kurzen Art. Schnell bezahlten wir unsere Neuerwerbungen und ließen auch gleich die Kassenzettel entfernen. Sodann eilten wir zu den nahegelegen Kabinen und wollten uns umziehen. Eine mürrische Verkäuferin kam uns zuvor. „Bitte hängen Sie die Sachen nach Außen". meinte sie kurz. „Wir möchten sie aber gleich anziehen, sie gehören uns. „Erst, wenn Sie sie bezahlt haben". Aber das haben wir doch. Kleinlaut zeigten wir der Verkäuferin den Einkaufsbon. Aber sie schaute nicht hin, drehte sich um und rief. „Hängen Sie die Sachen schön nach außen, sonst hole ich den Leiter". Ich blieb stur und nahm die Verfolgung auf. „Hören Sie, die Sachen gehören bereits uns. Schauen Sie doch, unser Bon". Dabei hielt ich ihr das Stück Papier von hinten unter die Nase. Sie drehte sich wutentbrannt um. „Wenn sie angeblich schon ihnen gehören, warum wollen sie sie dann noch einmal anprobieren", rief sie mit leicht gerötetem Gesicht. „Aber ... wir wollen doch ...". Sie ließ mich nicht ausreden sondern lachte hämisch. „Sehen Sie, ich habe ein Auge für Diebe. Also los, gehen Sie". Nun war es mit meiner Geduld am Ende. Ich baute mich vor ihr auf und nahm tief Luft. „Die Sachen haben wir eben an der Kasse ...„ Abermals wurde ich unterbrochen. Die Hexe entriß mir die Kleider und eilte mit ihnen davon. Sofort setzte ich ihr nach. Der Kampf war kurz und heftig, aber schließlich gelang es mir, die Kleider erneut in meinen Besitz zu bringen. Sofort flüchtete ich. Nun war sie die Verfolgerin. In panischer Angst versteckte ich mich unter einem Ständer mit Damenunterwäsche. Dies hingegen führte zu Mißverständnissen bei einer sehr dicken Kundin. Sie entdeckte mich und begann, ihre Handtasche auf meinem Kopf zu zertrümmern. „Sie, Wüstling Sie", rief sie dabei. Logischerweise wurde dadurch die Verkäuferin auf mich aufmerksam, so daß ich gezwungen war, mein Versteck aufzugeben. Weiter ging die Jagd durch den Laden, diesmal von zwei wilden Furien gejagt, denn auch die Kundin wollte mir an den Kragen.

Zu meinem Glück hatte mein Darling mitgedacht und erwartete mich bereits am Ausgang. Schell warf ich ihr die Sachen zu und machte Gesten, sie solle damit verduften. Sie verstand sofort, und wenige Minuten später hatten wir die Einkaufshölle hinter uns gelassen. Zurück blieb eine wütende Verkäuferin und sehr dicke Kundin, die mir wie zum Abschied ihre Handtasche nachwarf.

Wir hingegen betraten noch immer zitternd, aber voller Stolz die nächstgelegene Bedürfnisanstalt und zogen uns um. Die neuen Kleider trugen wir mit stolz geschwellter Brust, gerade so wie ein Sportler seinen Pokal.

Ende.


Copyright © 1997
Diese Seite wurde erstellt von Petra Rodemer, Samstag, 16. August 1997
aktualisiert am Samstag, 16. August 1997